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Jan Meifert Edeka Meyers Artikel Lebensmittel Zeitung

Konsequent grün

Jan Meifert meint Umweltschutz so ernst, dass er manche Artikel nur in der nachhaltigen Variante führt. Wirtschaftliche Einbußen nimmt er dafür in Kauf, solange sich der gesamte Markt rechnet. 

Der Mann zeigt klare Kante. Hähnchen und Eier aus dem Preiseinstieg hat Jan Meifert kurzerhand aus seinen Märkten geworfen – wegen der Nachhaltigkeit. „Das Thema Ökologie betrifft uns alle, schließlich muss jeder essen, trinken und atmen“, sagt der Edeka-Kaufmann aus Neumünster in Schleswig-Holstein. Billigfleisch und -eier seien mit Umweltschutz nicht zu vereinbaren, also seien die Produkte rausgeflogen. Punkt. 

Ähnlich hält es der 36-Jährige mit Nordseekrabben: Er verkauft nur solche Tiere, die einen möglichst kurzen Transportweg hinter sich haben: 500 statt 1500 Kilometer. „Die Krabben sind 20 bis 30 Prozent teurer als herkömmliche Ware“, räumt der Selbst- ständige ein. „Aber mir ist es wichtig, dass unsere Produkte auf kürzestem und nachhaltigstem Wege zu uns in die Märkte kommen.“ Konkret heißt das: Die Tiere werden aus Amsterdam nach Neumünster gefahren – und nicht für verschiedene Verarbeitungs- schritte quer durch Europa und sogar bis nach Nordafrika gekarrt. Auch hier bietet Meifert keine preisgünstige Alternative an. 

Treibt der kantige Kaufmann seine Kunden mit derart rigorosen Entscheidungen nicht dem Discounter in die Arme? Die Frage ficht ihn nicht an. „Ich spreche lieber die Zielgruppe an, die honoriert, wie wir uns engagieren“, erklärt er. „Auf lange Sicht müssen wir ohnehin entscheiden, ob wir den Kunden wirklich alles zur Verfügung stellen wollen, was es gibt, oder eine nachhaltige Vorauswahl treffen.“ 

Mit Kommunikation will Meifert den Kunden sein Engagement nahebringen. „Dabei müssen wir mit Emotionen und Bildern arbeiten“, sagt er. Vor allem aber müsse er seine Kunden und ihren Wunsch nach Rückverfolgbarkeit und Qualität ernst nehmen. „Wenn die Kunden uns erst einmal vertrauen, dann öffnen sie sich, und dann können wir sie auch nachhaltig überzeugen.“ 

Wirtschaftlich ist das Engagement nicht ideal, aber machbar. So hat Meifert den Umsatz mit Krabben zwar stabil gehalten, aber der Absatz ist bei höherem Preis gesunken. Andere hätten die Öko-Krabben einfach als Zusatzgeschäft auf den regulären Umsatz gepackt. Doch das ist nicht der Weg des Norddeutschen. 

„Die Natur ist mir sehr viel wert“, begründet er, „da nehme ich es durchaus in Kauf, ein bisschen weniger zu verdienen.“ Natürlich müsse er als Kaufmann Profit erwirtschaften. „Aber ich stelle das nicht über nachhaltige Grundsätze.“ Der Handel stehe in der Verantwortung. „Das Thema Ökologie gehört ganz oben auf die politische Tagesordnung. Und jeder Händler kann etwas dazu beitragen.“ 

In jedem Fall schärft das Engagement das Image des Kaufmanns. „Wir haben ein Profil entwickelt, das schwer zu kopieren ist“, sagt Meifert. „Die Kunden sind dankbar, dass wir die Umwelt schützen.“ 

In seinen beiden Märkten in Neumünster setzt Meifert mit rund 100 Mitarbeitern mehr als 23 Millionen Euro um. „Wir wachsen gesund“, sagt er. Unterm Strich sei sein Engagement zu 60 Prozent Herzensangelegenheit und zu 40 Prozent kaufmännisches Handeln. „Ich würde nichts machen, was die Wirtschaftlichkeit des Betriebs in Frage stellt“, stellt er klar. Da geht es dann auch um die ökonomische Nachhaltigkeit des Familienbetriebs, den Meifert seit 2010 in dritter Generation führt. 

Die Kunden sind dankbar, dass wir die Umwelt schützen

Manchmal ziehen seine Initiativen auch Kreise. So wie beim Thema Plastiktüten, über das heute jeder spricht. Meifert startete schon 2015 sein Projekt „Bring Bag“ und verkaufte allein im ersten Jahr 400 000 Mehrwegtaschen aus recyceltem PET-Kunststoff. Von 1,29 Euro Kaufpreis gingen je 25 Cent an Projekte des Umweltschutzverbands WWF, einem Partner von Edeka in Sachen Nachhaltigkeit. 20 Kaufleute mit mehr als 50 Märkten schlossen sich der Initiative an. 

„Im ersten Jahr war das ein Hype, danach wurde es weniger“, räumt Meifert ein. Aber in den Köpfen der Kunden habe sich etwas bewegt. 

„Heute bringen viele ihre eigenen Einkaufstüten mit“, sagt er. Und leicht verspätet vollzögen viele Wettbewerber die Entwicklung nach. Bei ihm gibt es nun schon seit drei Jahren nur noch wiederverwertbare Tragetaschen, Papiertüten und Netze. In der Obst- und Gemüseabteilung ha- ben Papiertüten die Knotenbeutel aus Plastik ersetzt. Die Begründung liegt für Meifert auf der Hand: „Plastikmüll ist der Fluch der heutigen Zeit.“ 

Dass der umweltbewegte Kauf- mann viele Bio-Artikel führt, versteht sich fast schon von selbst. 1500 von 28 000 Produkten in seinen Märkten sind ökologisch hergestellt. Sie stehen für 5 Prozent vom Umsatz, ihr Anteil wächst schnell. Für Bio-Artikel gibt es einen 5 Meter breiten Block mit Obst und Gemüse, dahinter 30 laufende Meter Trockensortiment inklusive Kosmetik, ein eigenes Regal des regionalen Demeter-Bäckers Bahde, dazu 3 laufende Meter Tiefkühlung und 2,50 Meter Kühlung. 

Im Wettbewerb mit dem örtlichen Biofachgeschäft überzeugte Meifert den Biogroßhändler Grell, auch ihn zu beliefern. Diese Produkte seien ein echter Gewinn, findet er. „Durch alternative Sortimente sprechen wir viele Leute an, die sich intensiv mit Gesundheit auseinandersetzen. Das belebt den Markt, das Sortiment und das ganze Geschäft.“ 

 

Der Artikel ist ursprünglich erschienen in der Lebensmittel Zeitung Ausgabe: LZ40 Autor: Mathias Himberg